Guide · Marcel Steiert

Dein erstes eigenes Werkzeug: das Montags-Dashboard

Im Reel habe ich dir gezeigt: Du beschreibst in normaler Sprache, was du brauchst, Claude schreibt den Code. Wie versprochen hier die Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Beispiel aus dem Video: ein kleines Dashboard aus öffentlichen Daten deiner Branche, das dir jeden Montag zeigt, wo die Nachfrage steigt. Ohne Agentur, ohne Entwickler, an einem Nachmittag.

Die Daten: wo du öffentliche Statistiken und Nachfrage-Signale für deine Branche kostenlos herunterlädst.
Die drei Aufträge: Daten verstehen, Dashboard bauen, Montags-Update. Alle zum Kopieren.
Die Grenze: wofür das schon reicht und wann weiterhin ein Profi den Code prüfen muss.

Was hinter dem Fliegenhirn steckt

2024 haben Forschende die komplette Verdrahtung eines Fliegenhirns veröffentlicht: 139.255 Nervenzellen und rund 50 Millionen Verbindungen, erschienen in der Fachzeitschrift Nature. Die Daten darf jeder frei herunterladen. Seit September 2026 tauchen auf GitHub Projekte auf, in denen Entwickler daraus mit Claude simulierte Fliegen bauen, die sich bewegen oder sogar ein Videospiel steuern.

Die Zutaten sind immer dieselben: frei veröffentlichte Daten und ein KI-Coding-Assistent wie Claude Code. Genau diese Methode nutzt du jetzt für deinen Betrieb. Nur eben nicht mit Fliegenhirnen, sondern mit Zahlen aus deiner Branche.

Was du brauchst

Programmieren musst du nicht können. Lesen und kurz nachdenken reicht.

Schritt für Schritt

  1. Schritt 1: deine Nachfrage-Frage festlegen

    Schreib dir drei bis acht Begriffe auf, nach denen deine Kunden suchen oder für die sie bei dir anfragen. Je konkreter, desto besser. Beispiele:

    • Malerbetrieb: Fassade streichen, Schimmel entfernen, Tapezieren, Innenputz
    • Steuerbüro: Buchhaltung auslagern, Lohnabrechnung, Firmengründung
    • Onlineshop für Sportartikel: Laufschuhe, Padelschläger, Wanderrucksack
  2. Schritt 2: die öffentlichen Daten holen

    Für ein Montags-Dashboard brauchst du Daten, die sich oft ändern. Am schnellsten geht das mit Google Trends, das zeigt dir Woche für Woche, wie oft nach deinen Begriffen gesucht wird:

    • Öffne trends.google.com, gib deinen ersten Begriff ein, stell oben dein Land und den Zeitraum „Letzte 12 Monate“ ein. Weitere Begriffe fügst du über „Vergleichen“ hinzu (bis zu fünf auf einmal).
    • Rechts oben am Diagramm „Interesse im zeitlichen Verlauf“ klickst du auf das Download-Symbol. Du bekommst eine CSV-Datei mit einem Wert pro Woche.
    • Leg die Datei in deinen Ordner daten.

    Willst du zusätzlich harte Zahlen, etwa Umsätze oder Betriebe in deiner Branche, findest du sie kostenlos bei den Statistikämtern. Die meisten erscheinen monatlich oder quartalsweise, als Excel- oder CSV-Download:

    Wichtig zu Google Trends: Die Werte sind keine Suchzahlen, sondern eine Skala von 0 bis 100. 100 ist die Woche mit dem meisten Interesse im gewählten Zeitraum. Für die Frage „Wo steigt die Nachfrage?“ ist das genau richtig, für absolute Mengen nicht.
  3. Schritt 3: Claude die Daten zuerst erklären lassen

    Öffne deinen Ordner montags-dashboard in VS Code (Datei → Ordner öffnen) und starte Claude Code. Bevor Claude etwas baut, soll es dir sagen, was in den Daten steht. So merkst du sofort, ob die richtige Datei drin ist.

    Auftrag 1 · Daten verstehen
    Im Ordner daten liegen öffentliche Daten zur Nachfrage in meiner Branche. Ich bin [deine Branche, zum Beispiel: Malerbetrieb in der Region Zürich].
    Lies jede Datei und erklär mir in einfachen Worten, ohne Fachbegriffe:
    1. Was steht drin (Spalten, Zeitraum, Einheit)?
    2. Gibt es Lücken, komische Werte oder Zeilen, die du für die Auswertung weglassen würdest?
    3. Welche drei Fragen könnte ich mit diesen Daten beantworten?
    Bau noch nichts und ändere keine Datei.
  4. Schritt 4: das Dashboard bauen lassen

    Jetzt der eigentliche Bau. Du beschreibst, was du sehen willst, Claude schreibt den Code.

    Auftrag 2 · Dashboard bauen
    Bau mir aus den Dateien im Ordner daten ein Dashboard als eine einzige Datei dashboard.html, die ich per Doppelklick im Browser öffne und die ohne Internetverbindung funktioniert.
    Oben: das Datum der neuesten Daten und in einem Satz, was sich zur Vorwoche verändert hat.
    Darunter: für jeden Begriff eine Karte mit dem aktuellen Wert, der Veränderung zur Vorwoche und zum Durchschnitt der letzten 4 Wochen. Steigende Begriffe stehen oben und sind deutlich markiert.
    Dann: ein Liniendiagramm über die letzten 12 Monate für alle Begriffe.
    Unten: die Quelle der Daten und der Hinweis, dass die Werte relativ sind und keine Stückzahlen.
    Erfinde keine Zahlen. Wenn etwas in den Daten fehlt, zeig es als „keine Daten“ an.
    Gestaltung: ruhig, gut lesbar, auch auf dem Handy.
    Sag mir am Ende, wie ich die Datei öffne.

    Öffne danach dashboard.html mit einem Doppelklick. Gefällt dir etwas nicht, sag es einfach im Chat: „Zeig nur die drei stärksten Anstiege oben“ oder „Mach die Zahlen größer“.

  5. Schritt 5: das Montags-Update einrichten

    Damit dir das Dashboard jeden Montag die neue Woche zeigt, lässt du dir von Claude einmal einen festen Ablauf aufschreiben. Danach dauert das Update ein paar Minuten.

    Auftrag 3 · Montags-Ablauf festlegen
    Ich will das Dashboard jeden Montag aktualisieren. Ich lege dann eine neue Datei in den Ordner daten.
    Schreib mir eine Datei MONTAG.md mit dem festen Ablauf für dich:
    1. Nimm die neueste Datei im Ordner daten und prüf, ob sie dieselben Spalten hat wie bisher.
    2. Aktualisiere dashboard.html mit den neuen Daten, ohne das Aussehen zu ändern.
    3. Schreib mir danach drei Sätze: Was ist gestiegen, was ist gefallen, was fällt auf?
    4. Wenn etwas nicht passt (andere Spalten, Lücken, ungewöhnliche Sprünge), sag es mir, statt es stillschweigend zu reparieren.
    Probier den Ablauf einmal mit den jetzigen Daten aus.

    Ab dann ist dein Montag: neue CSV von Google Trends herunterladen (Schritt 2), in den Ordner daten legen und diesen Satz schicken:

    Jeden Montag
    Montags-Update: Lies MONTAG.md und arbeite den Ablauf ab.

    Ehrlich gesagt: Von allein aktualisiert sich die Datei nicht, den Download machst du selbst. Bieten deine Statistik-Quellen einen festen Download-Link oder eine Schnittstelle an (das tun zum Beispiel Eurostat und viele Statistikämter), kann Claude dir später auch das automatische Abholen bauen. Fang trotzdem mit dem Handgriff an, dann weißt du, was dein Werkzeug tut.

  6. Schritt 6: einmal gegenprüfen

    Bevor du nach dem Dashboard Entscheidungen triffst, lass Claude seine eigene Arbeit nachrechnen und schau selbst auf zwei, drei Werte.

    Auftrag 4 · Gegenprüfen
    Prüf das Dashboard gegen die Rohdaten: Nimm drei Begriffe und rechne die Veränderung zur Vorwoche direkt aus der CSV-Datei nach. Zeig mir Rohwert, Wert im Dashboard und ob beide übereinstimmen.

    Öffne dazu die CSV-Datei selbst in Excel und vergleich einen Wert mit dem Dashboard. Stimmt er, kannst du dich darauf verlassen.

Die ehrliche Grenze

Das ist kein Spielzeug, sondern ein Werkzeug, das dir jede Woche Zeit spart. Aber nicht alles, was Claude dir baut, darf ohne zweiten Blick laufen.

Drei Regeln, mit denen du sicher bleibst:

Weitere interne Werkzeuge für einen Nachmittag

Hat das Dashboard geklappt, funktioniert dieselbe Methode für viele kleine Helfer. Ein paar Ideen, jeweils als ein Satz an Claude:

Bei Angeboten und Preisen gilt: Das Werkzeug rechnet vor, die Zahlen gibst du frei.

Quellen: Dorkenwald et al., „Neuronal wiring diagram of an adult brain“, Nature, 2. Oktober 2024, FlyWire Codex (Daten zum Herunterladen), Beispiel-Projekte auf GitHub: virtual-fly-claude und DOOM-x-Fly, Google-Trends-Hilfe: Daten herunterladen, Claude Code Doku. Stand 6. Oktober 2026.

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